Mythos und Legende

"Das Bild, das in dem stetig wachsenden Marilyn-Kult von ihr gezeichnet wird, ersetzt allerdings lediglich die Schablone der Sexbombe durch die des permanenten Opfers."
Liz-Anne Bawden, Dozentin für Film am Slade Department der University of London, Großbritannien, 1976

Noch fünf Jahre nach ihrem Tod erhielt Marilyn Monroe mehr Fan-Post als die meisten lebenden Superstars in Hollywood. Salvador Dali stellte 1967 sein Bild Mao Monroe in New York aus und Claes Oldenburg formte Marilyns berühmten Mund zu Giant Lipstick. Noch heute gibt es immer neue Gedichte, Lieder, Theaterstücke, Musicals und Filme über sie.

Marilyn Monroe als Kultfigur: überdimensionierte Stilisierung reiner Weiblichkeit, ein blond-wogender, naiver Vamp, aufreizend, mit leicht geöffneten Lippen, Stromlinienform von Augen, Mund und Haar; dunklem Liedschatten, ein Geschöpf aus Haut, Glamour, Flitter und Unschuld; kalter Sinnenrausch: Ihre Magie strahlt irreal, Hitzewelle und Kältetod in einem, selbst in Pose wirkt sie ganz natürlich.


Kann man den Menschen Marilyn Monroe hinter dem Mythos noch entschlüsseln? Scheint es noch möglich, ihre angeblich traurige, chaotische Biographie und legendäre Beziehung mit den Brüdern Kennedy als selbständige, tatsächliche Lüge dem Mythos zu entrücken? Und hat sich die Behauptung, Marilyn Monroe sei eine sexuell promiske Persönlichkeit gewesen, ebenfalls als falsche Wahrheit verselbständigt?

Es gibt wohl keine Frau auf der Welt, über die so viel unhaltbarer Unsinn geschrieben und gedruckt wurde wie über Marilyn Monroe. Manchmal beleidigend, frauenfeindlich und zuweilen bis unter die Gürtellinie.


Marilyn Monroe war schon zu ihren Lebzeiten eine Legende. Es ist die Geschichte vom Aschenputtel. Ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen wird zum Superstar, Hollywoodstar. Im Sinne einer Illusion verkörpert sie den amerikanischen Traum.
 
Monroe änderte auch die Aura der Blondine. Waren vorher fast alle Hollywood-Blondinen männermordende oder hysterische Vamps und das besonders im Film-Noir, änderte die Monroe dieses Image. Durch sie wurden Blondinen nahbar.
 
Nach ihrem Tod wurde Marilyn Monroe zunehmend zum Pop-Star. Der Künstler Andy Warhol veränderte mit seinen Seriationen den Zeitgeist und es war die Monroe welche er dafür einsetzte. Monroe gilt noch heute als Synonym für die ewige Wiederholung.
 
Es existieren Fotografien von ihr welche nicht erahnen lassen, dass sie eine Darstellerin der 50er Jahre im vergangenen Jahrhundert war. Sie erscheint modern.
 
Für die Zukunft kann man annehmen, das sie eine Ikone wie Nofretete oder Monalisa wird. Durch ihre Kunst hat sie es geschafft unabsichtlich zum Mythos der Moderne zu werden.

Aufgrund ihrer tragischen Biografie die an außergewöhnliche Literatur erinnert, nimmt sie für das 20. Jahrhundert den gleichen Platz ein wie zuvor Tolstois ANNA KARENINA oder Fontanes EFFI BRIEST.


Text:
© 2008 Peter Schnug, Marilyn Monroe Information Center, www.marilynmonroe.de

Quellen:
- rororo Film Lexikon, Personen H-Q, Nr. 5, Herausgeben von Liz-Anne Bawden, Edition der deutschen Ausgabe von Wolfram Tichy, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Deutschland, September 1978
- Die unsterblichen des Kinos - Glanz und Mythos der Stars der 40er und 50er Jahre, von Adolf Heinzelmeier, Berndt Schulz, Karsten Witte, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, Deutschland , August 1980

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